Aktueller Rundbrief: Ausgabe 4 – April 2021

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

TIERARZNEIMITTELGESETZ: ENTWURF VOM KABINETT BESCHLOSSEN

Trotz umfassender Kritik am überstürzten Gesetzgebungsverfahren sowie der in den gemeinsamen Anmerkungen von BTK, Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) und Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT) geäußerten Forderung, den vorliegenden Gesetzesentwurf vorerst auf ein Rumpfgesetz zu reduzieren, wurde der Entwurf eines Gesetzes zum Erlass eines Tierarzneimittelgesetzes und zur Anpassung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften am 24.03.2021 im Bundeskabinett beschlossen und am 26.03.2021 dem Bundesrat zugeleitet (Grunddrucksache 247/21).

Für die geforderte eingehende, verbändeübergreifende fachliche Diskussion blieb somit kaum Zeit. Doch zwei digitale Anhörungen wurden durchgeführt und boten den tierärztlichen Verbänden die Möglichkeit, die bei einer vorangegangenen Überarbeitung des Referentenentwurfs durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unberücksichtigt gebliebenen Aspekte nochmals zu adressieren. So ist beispielsweise nach wie vor bei der Arzneimittelabgabe an den Tierhalter die 31-7-Tage-Regelung nicht mehr mit den Vorschriften der Verordnung (EU) 2019/6 vereinbar, ein im Referentenentwurf eingefügter Verweis auf die Möglichkeit zur Erarbeitung von Auslegungshinweisen lässt jedoch auf etwas Handlungsspielraum hoffen. Nach wie vor mit großer Sorge sehen die tierärztlichen Expert:innen die Einschränkungen der Therapiefreiheit durch die in § 32 geforderte starre Bindung an die Zulassungsbedingungen bei der Anwendung von Arzneimitteln. Auch die Forderung einer tierärztlichen Behandlungsanweisung für nicht der Lebensmittelgewinnung dienende Tiere sowie das generelle Verbot des Einzelhandels mit verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln im Fernabsatz, sieht die BTK, im Hinblick auf z. B. Wassertiere und bestimmte andere „minor species“ wie Ziervögel, Reptilien und Amphibien, kritisch.

Auch wenn nun, nach Zuleitung an den Bundesrat, sowie am 19.04.2021 an den Bundestag (Drucksache 19/28658), Änderungen am Gesetzesentwurf nur noch im üblichen parlamentarischen Verfahrensweg möglich sind, wird sich die BTK weiterhin vehement für die Anliegen der Tierärzteschaft einsetzen.

 

ERSTER MOLEKULARER NACHWEIS EINER HUMANEN ERKRANKUNG DES TULA-HANTAVIRUS

Erstmalig wurde das Tulavirus molekularbiologisch als Ursache einer Hantaviruserkrankung bei einem deutschen Patienten festgestellt. In Deutschland kommen damit mindestens vier verschiedene humanpathogene Hantaviren bei unterschiedlichen Nagetieren vor. Zukünftig sollte deshalb eine genauere Virustypisierung bei Hantaviruserkrankungen erfolgen. Die gemeinsame Studie des Nationalen Konsiliarlabors für Hantaviren (Humanmedizin) der Charité – Universitätsmedizin Berlin, mit Kliniker:innen und Labormediziner:innen sowie dem Nationalen Referenzlabor für Hantaviren (Veterinärmedizin) am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) wurde nun im Journal Emerging Infectious Diseases veröffentlicht.

Die Ergebnisse dieser Studie belegen erneut die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizin im One-Health-Konzept. Gemeinsame Folgeuntersuchungen mit dem Julius Kühn-Institut sollen die Verbreitung des Tulavirus im Reservoir Feldmaus und anderen Wühlmäusen genauer charakterisieren. Diese Untersuchungen sollen auch weitere Erreger berücksichtigen, z. B. die ebenfalls in der Feldmaus nachgewiesenen Zoonoseerreger Leptospiren und Kuhpockenvirus.

Die Mehrzahl der in bestimmten Jahren gehäuften Zahl humaner Erkrankungen wird auf das Puumalavirus zurückgeführt, das nur im westlichen, nordwestlichen und südlichen Teil Deutschlands vorkommt, mit der Rötelmaus als Reservoirwirt. Der Hauptreservoirwirt des in ganz Deutschland vorkommenden Tulavirus ist die Feldmaus. Daneben sind im östlichen Teil Deutschlands durch das Dobrava-Belgrad-Virus hervorgerufene Erkrankungen beschrieben worden, mit der Brandmaus als Reservoirwirt. Zudem wurde kürzlich das Seoulvirus erstmalig in einer Heimratte einer Patientin in Deutschland molekular nachgewiesen.

 

· Pressemitteilung des FLI (23.03.2021)

· FAQ Hantavirus-Erkrankungen (FLI, 19.03.2021)

· Hantavirus-Informationsblatt (Robert-Koch-Institut 2019)

· Steckbrief zu Hantavirus-Infektionen (FLI, 06.11.2019)

 

AUFRUF ZUR MELDUNG VON NEBENWIRKUNGEN NACH IMPFUNG VON DEUTSCHEN PINSCHERN/ZWERGPINSCHERN

Im Jahr 2012 hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) im Deutschen Tierärzteblatt zu Nebenwirkungen nach Impfung von Deutschen Pinschern/Zwergpinschern berichtet [1]. Bis dato lagen vier Meldungen zu 8 bis 12 Wochen alten Tieren dieser beiden Rassen vor, die einige Tage (2-15 Tage) nach der ersten Impfung der Kombinationsimpfstoffe mit SHP-Komponenten neurologische Symptome wie Koordinationsstörungen, Tremor und Krämpfe zeigten. Mittlerweile sind 12 weitere Meldungen zu Welpen der Rassen Deutsche Pinscher und Zwergpinscher eingegangen, die in das o. g. Muster passen. In den meisten Fällen wurden die Hunde mit Kortikosteroiden, Antibiotika und Vitamin B behandelt und erhielten in zwei Fällen zusätzlich Diazepam. Aufgrund der durchgeführten Untersuchungen wird vermutet, dass diese Art der Reaktionen immunvermittelt sein könnte. Noch immer wird ein erhebliches Underreporting vermutet. Auch liegen zu wenige mit Labor- oder Sektionsbefunden versehene Berichte vor, um Aussagen über die Häufigkeit und Ursache dieser Nebenwirkung(en) treffen zu können. Eine mögliche Rassedisposition kann daher bisher nur vermutet werden.

Aus diesem Grund bittet das PEI praktizierende Tierärzt:innen, auf diesbezügliche Auffälligkeiten nach der Impfung von Hundewelpen zu achten und diese unter Angabe der Rasse zu melden. Zum Abklären der Krankheitsursache sollten immunologische und virologische sowie ggf. pathologische Untersuchungen eingeleitet werden. Meldeformulare sind unter Arzneimittelsicherheit/Veterinärmedizin Pharmakovigilanz auf der Website www.pei.de oder unter www.vet-uaw.de zu finden.

[1] Cußler K, Schwedinger E (2012): Nebenwirkungen nach Impfung von Deutschen Pinschern. DTBl: 1715-1716.

· Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

 

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3. Tagung der Tierärztlichen Plattform Tierschutz (TPT)

Am 25. und 26.06.2021 findet die 3. Tagung der TPT zum Thema „Nutztierhaltung im Spannungsfeld von Ziel- und Interessenskonflikten“ in Oesede statt.

Gemäß der Zielstellung der TPT, konsensfähige tierärztliche Positionen zu erarbeiten und tierärztliche Expertise beim Tierschutz in den öffentlichen Diskurs einzubringen, wird sich die Tagung nicht nur mit den tierärztlichen, sondern auch mit den ethischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Umgestaltung der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu mehr Tierschutz und Nachhaltigkeit beschäftigen.

Die Tagung findet als Hybridveranstaltung statt: Sowohl eine Teilnahme in Präsenz als auch digital ist möglich. Vor Ort wird ein umfangreiches Schutzkonzept vorgehalten, um eine sichere Teilnahme zu ermöglichen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung unter: www.bundestieraerztekammer.de/btk/tpt/2021-06-Flyer-TPT.pdf

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NOCH KEINE ENTWARNUNG BEI GEFLÜGELPEST

FLI schätzt Risiko als mäßig ein

In Deutschland sind seit dem 30.10.2020 etwa 1.200 HPAIV H5-Fälle bei Wildvögeln und 245 Ausbrüche bei Geflügel, davon sechs bei gehaltenen Vögeln, festgestellt worden. Außerdem meldeten 20 europäische Länder neue Ausbrüche bzw. Wildvogelfälle von HPAIV des Subtyps H5.

Das Risiko der Ausbreitung in Wasservogelpopulationen und des Eintrags in Geflügelhaltungen und Vogelbeständen wird als mäßig eingestuft. Außerdem sei von einem mäßigen Eintragsrisiko durch Verschleppung des Virus zwischen Geflügelhaltungen innerhalb Deutschlands auszugehen. Bisher lag die Risikoeinschätzung bei hoch, im Vergleich dazu bedeutet mäßig ein mittleres Risiko. Darunter gibt es zwei weitere Einschätzungsstufen (gering und vernachlässigbar), die aber derzeit noch nicht in Sicht seien.

Große Vorsicht ist beim Handel mit Lebendgeflügel im Reisegewerbe und bei innergemeinschaftlichem Verbringen in Bezug auf Länder mit ausgeprägtem Geschehen angezeigt. Biosicherheit in den Geflügelhaltungen sollte weiterhin überprüft und optimiert werden.

Das FLI weist ausdrücklich darauf hin, dass die möglichen Maßnahmen zur Vorbeugung von Geflügelpestausbrüchen wie eine lokale oder auch regionale Aufstallungspflicht für Geflügel von den örtlich zuständigen Veterinärbehörden angeordnet und ebenso wieder aufgehoben werden.

· Kurzmeldung auf der FLI-Webseite (27.04.2021)

· Risikoeinschätzung zum Auftreten HPAIV H5 in Deutschland (FLI, 26.04.2021)

 

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Umfrage zur Feminisierung der Tiermedizin

Ruth Saur, Studentin an der Veterinärmedizinischen Universität Budapest, führt eine Umfrage zur Feminisierung der Tiermedizin und den daraus resultierenden Veränderungen für den

Veterinärmedizinischen Beruf in den letzten 20 Jahren durch.

Ziel dieser Studie ist es zu untersuchen, wie und in welchem Umfang die Feminisierung diesen Beruf verändert hat. Stellt sie lediglich eine numerische Überlegenheit dar, denn weiterhin weisen wesentliche Aspekte des Berufs auf den Fortbestand tradierter, maskulin geprägter Strukturen und Vorstellungen hin („income gap“, „opportunity gap“ als Indikatoren)? Sind die zu beobachtenden Veränderungen allein auf genderspezifische Aspekte zu begrenzen? Was bedeuten diese Veränderungen mit Blick auf die weitere Entwicklung des Berufs, seine Attraktivität für künftige Generationen und seine gesamtgesellschaftliche Bedeutung?

Wichtiges zur Umfrage:

• Für Tierärzt:innen und Studierende

• Dauer max. 15 Minuten

• Anonyme Datensammlung

• Ergebnisse basieren auf den zusammengefassten Daten

Den Link sowie QR Code zur Umfrage finden Sie hier:

https://de.surveymonkey.com/r/6S27MFZ

Kontakt: ruthsaur295@gmail.com

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Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Mai 2021

 

EU-Tiergesundheitsrecht

Nach einer 5-jährigen Übergangszeit, in der ergänzende delegierte Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte erlassen wurden, ist das EU-Tiergesundheitsrecht seit dem 21.04.2021 in allen EU-Mitgliedstaaten anzuwenden. Hierzu werden im Laufe des Jahres mehrere Artikel veröffentlicht, in denen ein Überblick über das neue Recht gegeben wird. Den Anfang macht Dr. Axel Stockmann mit einen Einblick in die „Basisverordnung“ des EU-Tiergesundheitsrechts, die Verordnung (EU) 2016/429.

Bericht aus dem BMEL

Die Frühjahr-Delegiertenversammlung der BTK musste aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden, der schriftliche Bericht aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wird dennoch an dieser Stelle von Ministerialdirigent Dr. Dietrich Rassow zur Kenntnis gegeben.

Statistik

Wie sich die Tierärzteschaft in Zahlen zusammenstellt, erfahren Sie einmal jährlich durch die Veröffentlichung der Statistik. Diesmal ist der Stand zum 31.12.2020 dargestellt.

 

Termine 2021

 
 30. April   Ausschuss für Geflügel (Konstituierung)

Videokonferenz 

  5. Mai Arbeitskreis zur Erstellung eines Untersuchungsprotokolls für Rennpferde

Videokonferenz

  6. Mai   AG GOT

Telefonkonferenz

  6. Mai   Erweitertes Präsidium

Videokonferenz

  22. Juni   Ausschuss für Versuchstierkunde

  N.A.

  16./17. September   Erweitertes Präsidium

  Berlin

  17./18. September   Delegiertenversammlung

  Berlin



Termine 2022

  15./16. September   29. Deutscher Tierärztetag

Berlin

Termine ATF-Fortbildungen/Gemeinschaftsveranstaltungen

Präsenzveranstaltungen

Online-Fortbildungen

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.