Aktueller Rundbrief: Ausgabe 8 – August 2020

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

 

BREXIT – ENDE DES ÜBERGANGSZEITRAUMS

Um auf das Ende des Übergangszeitraums zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Vereinigten Königreich (VK) vorzubereiten, hat die Europäische Kommission eine entsprechende Mitteilung veröffentlicht. Hinsichtlich der Anerkennung beruflicher Qualifikationen, wie z.B. der veterinärmedizinischen Approbation, müssen Staatsangehörige des VK, unabhängig davon, wo sie ihre Qualifikationen erworben haben, sowie EU-Bürger mit im VK erworbenen Qualifikationen diese ab dem 01.01.2021 in den betreffenden Mitgliedstaaten auf der Grundlage der dort geltenden Vorschriften für Drittstaatsangehörige und/oder in Drittstaaten erworbene Qualifikationen anerkennen lassen. Bis dahin gilt, dank der Teilnahme des VK am EU-Binnenmarkt, eine Niederlassungsfreiheit. Das bedeutet, dass im VK erworbene Qualifikationen bei Staatsangehörigen des VK und EU-Bürgern einer vereinfachten – in einigen Fällen automatischen – Anerkennung in anderen EU-Ländern unterliegen. Bis zum Ende des laufenden Jahres ist es also Fachkräften wie z.B. Ärzten, Apothekern, Tierärzten, Rechtsanwälten, Architekten oder Ingenieuren noch möglich, sich in der EU und im VK frei zu bewegen und dort Dienstleistungen zu erbringen.
Hinsichtlich des Endes des Übergangszeitraums rät die Kommission betroffenen Personen, vor dem 1. Januar 2021 eine Anerkennung ihrer im VK erworbenen Qualifikation in der EU zu beantragen.

 

MACHBARKEITSSTUDIE ZUM UMBAU DER NUTZTIERHALTUNG WIRD AUSGESCHRIEBEN

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bereitet derzeit eine Ausschreibung für eine Machbarkeitsstudie und Folgenabschätzung der Nutztierstrategie vor. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor. Auch die Bundesregierung erarbeite derzeit kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen zum Umbau der Nutztierhaltung. Ein Teil davon sei das Stallumbauprogramm, das vor allem die Bedingungen in der Sauenhaltung verbessern soll. Für dieses und das kommende Jahr stehen dafür 300 Mio. € zur Verfügung. Auch der Viehbesatz soll künftig stärker beachtet werden. Die Bundesregierung richte ihre Förderung schrittweise darauf aus, dass die Tierhaltung in den Betrieben in einem Verhältnis von maximal zwei Großvieheinheiten (GVE) je Hektar erfolgen soll. Eine solche Studie mit Abschätzung der finanziellen Folgen hatte das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung unter Leitung des früheren Landwirtschaftsministers Jochen Borchert bei der Präsentation seiner Empfehlungen im Februar angeregt.

 

VERHALTENS-STUDIE: TIERSCHUTZHUNDE AUS DEM AUSLAND

Um die Eingewöhnung von Hunden, die aus dem Ausland über Tierschutzorganisationen nach Deutschland gebracht werden, langfristig zu erleichtern und so potentiell auftretende Verhaltensprobleme bei den Hunden in Zukunft vermeiden zu können, führt das Institut für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung der LMU München mit Unterstützung des Deutschen Tierschutzbundes eine Studie zur Entwicklung solcher Hunde in den ersten sechs Monaten im neuen Zuhause durch. Mithilfe von Telefoninterviews soll untersucht werden, ob es Einflussfaktoren gibt, die entscheidend für den Erfolg einer Vermittlung sind. Darüber hinaus ist bei einem Teil der Hunde, die im Großraum München wohnen - das Einverständnis der neuen Besitzer vorausgesetzt - ein Alltags-Verhaltenstest im neuen Zuhause vorgesehen. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

AUCH THÜRINGEN UNTERSAGT TIERTRANSPORTE IN DRITTLÄNDER

Immer mehr Bundesländer reagieren auf die wiederholten Berichte der EU-Kommission bezüglich Schwierigkeiten bei Langzeittransporten von Tieren. Nun hat auch Thüringen reagiert und beschlossen, Tiertransporte in Drittländer (Schweiz ausgenommen) zu untersagen. Ab sofort gilt ein Abfertigungsverbot für den Transport aller landwirtschaftlichen Nutztiere, sofern diese in einen Drittstaat verbracht werden sollen oder aber die Außentemperaturen 30°C oder mehr betragen. Den Berichten der EU-Kommission zufolge fehle es an verlässlichen Informationen zu Versorgungsstationen und an Kontrollmöglichkeiten zu den Verhältnissen in den Empfangsbetrieben am Bestimmungsort. Darüber hinaus seien die Wartezeiten an den Grenzübergängen oft viel zu lang, was gerade in den heißen Sommermonaten unnötiges Leid nach sich ziehe. Daher wird gefordert, Transporte von Nutztieren generell auf „das absolut notwendige Maß" zu beschränken. Dafür bedarf es allerdings bundeseinheitlicher, wenn nicht sogar EU-weit einheitlicher Regelungen. Ende Juli hatten mehrere Bundesländer Tiertransporte in Drittländer eingeschränkt. Während Baden-Württemberg die Verbringung in weit entfernte Drittstaaten untersagte, verschärften Sachsen und Rheinland-Pfalz die Vorgaben. Die Transportunternehmen in Sachsen müssen nun die ordnungsgemäße Ausstattung und behördliche Zulassung von Versorgungsstationen nachweisen.

 

FVE KÄMPFT GEGEN DIE VERWENDUNG VON ANÄSTHETIKA DURCH NICHT-TIERÄRZTE

In einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier fordert die Federation of Veterinarians of Europe (FVE) den Gesetzgeber auf, den Zugang zu systemisch sowie lokal wirksamen Anästhetika strikt zu regulieren und die Anwendung dieser Arzneimittel ausschließlich in tierärztlicher Hand zu belassen. Hintergrund ist, dass immer mehr Länder den Einsatz von Anästhetika beim Tier durch Personen ohne tierärztliche Ausbildung zulassen. So ist es, zum Beispiel, im Rahmen der Ferkelkastration dem Landwirt erlaubt, Isofluran per Inhalation anzuwenden (Deutschland, Schweiz) bzw. Lidocain intrascrotal zu applizieren (Schweden). Auch kommt es laut FVE in Tierheimen und Wildtier Reservaten dazu, dass nicht dafür qualifiziertes Personal Anästhetika, zum Beispiel im Zuge einer Sedation oder Euthanasie, am Tier anwendet. Die FVE sieht diese Entwicklung aufgrund der fehlenden Fachkenntnisse der Anwender höchst kritisch und betont die Gefahr für den Schutz der Tiere, des Operateurs sowie, in einigen Fällen, der Umwelt.

 

VEREINFACHUNGEN DER ATF-ANERKENNUNG AUFGRUND DER CORONA-PANDEMIE – ERGÄNZENDE HINWEISE

Aufgrund der Corona-Pandemie ist ein vereinfachtes Anerkennungsverfahren gemäß § 10 Abs. 2 der ATF-Statuten für ausgewählte Fortbildungsangebote möglich. Die Vereinfachungen wurden in der letzten Sitzung des ATF-Vorstands beschlossen und gelten befristet bis zum 31.12.2020 (Datum der Antragstellung) ausschließlich für folgende Fortbildungsangebote:

  • Hybridveranstaltungen: Kombination aus Präsenzfortbildung und Live-Online-Seminar ohne Aufzeichnung mit geteiltem Teilnehmerkreis (ein Teil live vor Ort, ein Teil live online anwesend)
  • Live-Online-Seminare ohne Aufzeichnung
  • Aufgezeichnete Online-Seminare, die ausschließlich an einem definierten Zeitpunkt / Termin und nur für die Laufzeit des Online-Seminars zur Verfügung stehen (kein nachträglicher Abruf möglich)
  • Präsenzveranstaltungen mit vorliegender ATF-Anerkennung, die aufgrund der Corona-Pandemie in eine der o.g. Formen von Online-Seminaren umgewandelt werden

Für diese Fortbildungen gelten die Kriterien gemäß der Hinweise zur ATF-Anerkennung von Präsenzfortbildungen. Als Ausnahmeregelung ist nur dann keine Lernerfolgskontrolle (Multiple-Choice-Test) erforderlich, wenn zusätzlich definierte Voraussetzungen erfüllt werden. Für die ATF-Anerkennung von Fortbildungsangeboten sowie für die Änderung von Anerkennungen ist ein schriftlicher Antrag des Veranstalters mit Antragsformular erforderlich.

Sobald die Fortbildungen für einen längeren Zeitraum zur Verfügung gestellt werden sollen, gelten die bekannten zusätzlichen Hinweise für die ATF-Anerkennung von interaktiven Fortbildungsangeboten (inkl. Lernerfolgskontrolle und Einsendung des vollständigen Inhalts der Fortbildung, Multiple-Choice-Fragen inkl. Lösung, Literaturangaben).
Ausführliche Informationen und Antragsformulare finden Sie hier.

 

 

 


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Inhalte Deutsches Tierärzteblatt September 2020

 

Heimtierhandel

Der Deutsche Tierschutzbund erstellt jährlich auf Basis von Medienberichten und den Meldungen betroffener Tierheime eine Auswertung zu Fällen von illegalem Tierhandel in Deutschland. Tierärztin Lisa Hoth et al. fasst hier die Ergebnisse für das Jahr 2018 kurz zusammen.

Konsiliarlabor

In der fünften Folge unserer Serie stellen Dr. Stefan Birka das von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) ernannte Konsiliarlabor für Alaria alata an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig und Dr. Martin Dorner et al. das DVG-Konsiliarlabor für Clostridium botulinum/Botulinumtoxin in Lebensmitteln am Robert Koch-Institut vor.

Antibiotikaabgabemengen 2019

In Deutschland sind pharmazeutische Unternehmen und Großhändler seit 2011 gesetzlich dazu verpflichtet, die Menge der an Tierärzte abgegebenen Antibiotika an das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) zu melden. Die Auswertung erfolgt durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Das Ergebnis für 2019 wird hier zusammengefasst und mit den Zahlen aus den Vorjahren verglichen.

Serie Pharmakovigilanz

In dieser Serie informieren das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Paul-Ehrlich-Institut dreimal jährlich rund um das Thema unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAWs). In dieser Folge fasst ein Autorenteam des BVL die Ergebnisse einer Umfrage zu den Meldewegen für UAWs zusammen.

 

Termine 2020

 
 28. August  Ad-hoc-AG GOT  Telefonkonferenz
14. September Ad-hoc-AG Notdienst Telefonkonferenz
18. September Erweitertes Präsidium Berlin

 

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links. 

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