Aktueller Rundbrief: Ausgabe 10 – Oktober 2021

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

Abgabemengen von Antibiotika in der Tiermedizin leicht gestiegen

Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika ist in Deutschland im Jahr 2020 leicht gestiegen. Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilte, wurden insgesamt 701 Tonnen Antibiotika an Tierärzt:innen abgegeben – 31 Tonnen mehr als im Vorjahr (plus 4,6 Prozent). Im Vergleich zu 2011, dem ersten Jahr der Erfassung, betrug der Rückgang der abgegebenen Antibiotika 59 Prozent. Die Abgabemenge der für die Therapie beim Menschen besonders wichtigen Fluorchinolone stieg 2020 leicht an. Polypeptidantibiotika (Colistin) erreichten ihren bisher niedrigsten Wert seit 2011.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 701 Tonnen (t) Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzt:innen in Deutschland abgegeben. Die größten Mengen fanden sich wie in den Vorjahren bei den Penicillinen (278 t) und Tetrazyklinen (148 t). Es folgten Sulfonamide (65 t), Makrolide (61 t) und Polypeptidantibiotika mit 60 t.

Die Menge der abgegebenen Fluorchinolone stieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 t (6,7 Prozent). Trotz dieses leichten Anstiegs lag sie deutlich unter dem Anfangswert aus dem Jahr 2011 (-22 Prozent). Einen Rückgang gab es im Vergleich zum Vorjahr dagegen bei Polypeptidantibiotika (-9,2 Prozent).

Insgesamt war zwischen 2011 und 2020 bei Cephalosporinen der 3. und 4. Generation eine Reduktion um 2,2 t (-63,4 Prozent) sowie um 67 t (53 Prozent) bei Polypeptidantibiotika zu verzeichnen. Bei Makroliden gab es 2020 im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 3,7 t (6,4 Prozent), jedoch eine Gesamtreduktion über den Erfassungszeitraum um 112 t (64,9 Prozent).

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich einzelnen Tierarten nicht zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist. Dies wird durch Umsetzung der EU-Tierarzneimittelverordnung (VO (EU) 2019/6) zukünftig möglich werden.

Eine Zusammenfassung der Abgabemengenerfassung wird in der Dezemberausgabe des Deutschen Tierärzteblatts veröffentlicht.

· Vollständiger Artikel des BVL (12.10.2021)

 

Stellungnahme zum Injektionsstellen-Assoziierten Sarkom bei der Katze

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) hat eine Stellungnahme zum Injektionsstellen-assoziierten Sarkom der Katze veröffentlicht (https://stiko-vet.fli.de/de/aktuelles/einzelansicht/stellungnahme-zum-injektionsstellen-assoziierten-sarkom-bei-der-katze/). Darin wird die Pathogenese der Erkrankung und die Rolle von Injektionsmedikamenten diskutiert. Es werden zudem praktische Hinweise gegeben, wie das Risiko einer Sarkombildung reduziert werden kann.

Das Feline Injektionsstellen-assoziierte Sarkom ist ein invasiv wachsendes und metastasierendes Sarkom der Katze, das mit einer Häufigkeit von ca. 1  :  10 000 auftritt. Es entsteht durch Entzündungsreaktionen, die iatrogen durch Injektionen von reizenden Substanzen, z. B. Impfstoffen, verursacht werden können.

Um das Risiko einer Sarkombildung zu minimieren, wird empfohlen, die Anzahl der Impfungen auf das notwendige Maß zu beschränken; möglichst wenig reizende Präparate, z. B. nicht adjuvantierte Impfstoffe, zu verwenden, und an Applikationsstellen zu injizieren, die eine vollständige Resektion eines Sarkoms erlauben, d. h. subkutane Injektionen distal in die Gliedmaßen, zwischen Knie- und Sprunggelenk (möglichst nah am Sprunggelenk) oder unterhalb des Ellbogengelenks zu applizieren. Nur in Ausnahmefällen sollte in die ventrolaterale Bauchwand injiziert werden.

 

One Health Day 2021

Am 03.11.2021 um 18:30 Uhr veranstaltet Tierärzte ohne Grenzen e.V (ToGeV] gemeinsam mit Viva con Agua e.V. (VcA) den sechsten One Health Day und bringt Interessent:innen und Expert:innen aus den verschiedensten Bereichen zusammen, um sektorübergreifend über die globale Gesundheit zu lernen und zu diskutieren.


Flyer zum One Health Day 2021

 

· One Health Day 2021 (Webseite ToGeV)

· Anmeldung für den One Health Day 2021

 

BTK-Umfrage für amtliche Tierärzt:innen

In einer bundesweiten Umfrage bei den zuständigen Veterinärbehörden wurden von der BTK, Ausschuss für Lebensmittel-, Fleisch- und Milchhygiene, erstmalig Daten zur Beschäftigungssituation und Altersstruktur amtlicher Tierärzt:innen in der Schlachttier- und Fleischuntersuchung (SFU) erhoben. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass in den nächsten Jahren ein eklatanter Nachwuchsmangel an amtlichen Tierärzt:innen droht. Dieser ist u. a. vermutlich auf eine mangelhafte Attraktivität der Tätigkeit zurückzuführen. Die Mehrzahl der amtlichen Tierärzt:innen arbeitet in der ambulanten SFU. Doch der zugrunde liegende Tarifvertrag (TV Fleisch) bildet hinsichtlich der Vergütung nicht das gesamte, erforderliche Aufgabenspektrum der Tätigkeit ab, und es können sich z. B. Stück- oder Stundenvergütung oder Fahrtkostenpauschalen nachteilig auswirken.

Aufbauend auf der ersten Befragung wollen wir nun Sie als amtliche Tierärzt:innen in dieser zweiten Befragung selbst zu Wort kommen lassen. Der Fragebogen wurde von der BTK gemeinsam mit den veterinärmedizinischen Bildungsstätten Hannover und Leipzig konzipiert. Es geht darum, weitere Informationen aus Ihrem beruflichen Alltag zu erfahren, aber auch zu hören, ob und wo der „Schuh drückt“. Die Angaben zu Ihrem Arbeitsplatz und Ihre persönliche Meinung sind uns wichtig und werden als Grundlage für weitere Verhandlungen dringend benötigt.

Wir verfolgen damit zwei Ziele: Zum einen wollen wir mit den Ergebnissen dazu beitragen, das Berufsbild der amtlichen Tierärzt:innen in der SFU an die jetzigen rechtlichen und fachlichen Erfordernisse anzupassen. Zum anderen geht es darum, eine bessere Grundlage für Diskussionen mit den zuständigen Gremien zu schaffen, damit Ihnen als Kolleg:innen zukünftig ein sicherer, der Aufgabenstellung angemessen ausgestatteter Arbeitsplatz, faire und den Aufgaben entsprechende Vergütung, regelmäßiger Anspruch auf Fortbildung, fachliche Unterstützung und Rückhalt durch die zuständige Veterinärbehörde zuteilwerden können.

Der Fragebogen richtet sich ausdrücklich an alle Tierärzt:innen, die im Umfeld der SFU einschließlich der Hygieneüberwachung beschäftigt sind, und bezieht sich auf alle Tierarten inkl. Geflügel, Kaninchen und Wild.

Mit Ihrer Teilnahme leisten Sie einen wichtigen Beitrag zu unseren Bemühungen, die Arbeitssituation in der amtlichen SFU besser darzustellen und in naher Zukunft zu verbessern, um Ihnen für diese wichtige Arbeit den Respekt und die Anerkennung zu verschaffen, die Ihnen zustehen.

Link zur Umfrage:

www.umfrage-fleischuntersuchung.de

 

QUEN geht online!

QUEN (Qualzucht-Evidenz Netzwerk) ist das Projekt engagierter Tierärzt:innen und tierschutzbewegter Menschen aus den unterschiedlichsten Fachdisziplinen. Am 01.10.2021 wurde unter http://qualzucht-datenbank.eu/ diese wissenschaftsbasierte Datenbank ins Leben gerufen, u. a. um den Vollzug des sogenannten Qualzuchtparagrafen (§ 11b Tierschutzgesetz) zu verbessern. Das bestehende Vollzugsdefizit im Bereich der Defekt- bzw. Qualzucht sei auch ein Problem der Nachbarländer, sagt Dr. Heidemarie Ratsch, Präsidentin der Tierärztekammer Berlin. Das ist der Grund für die intensive Kooperation mit einer international zusammengesetzten Arbeitsgruppe zum Thema Qualzuchten.

Mit QUEN wird die Idee umgesetzt, Vollzugshilfen für Veterinärämter zu entwickeln und diese auf einer Webseite öffentlich zugänglich zu machen. Darüber hinaus finden sich Rechtsgutachten, einschlägige Urteile, Informationen zu Tierarten und relevanten Merkmalen sowie viele Möglichkeiten, sich zu vernetzen und zu informieren.

 

Psychische Gesundheit: WSAVA stärkt "Professional Wellness Group"

Nach Ansicht der Arbeitsgruppe „Professional Wellness Group“ (PWG) der World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) gebe die psychische Gesundheit von Tierärzt:innen seit einiger Zeit Anlass zur Sorge: Die PWG-Studie 2019 zum globalen Wohlbefinden von Tierärzt:innen bestätigte, dass sie in allen Teilen der Welt und v. a. in Asien, Afrika, Europa und Nordamerika ein besonderes Problem darstellt. Die Corona-Pandemie habe in vielen Fällen die Belastung noch zusätzlich erhöht.

Um ihre Bemühungen zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens aller Veterinärmediziner zu beschleunigen, sind der PWG drei neue Mitglieder beigetreten, darunter Dr. Veerle van Geenhoven vom Zentrum für Klinische Veterinärmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dr. van Geenhoven hat ein besonderes Interesse an der Integration psychosozialer Kompetenz in den Veterinärberuf. Um die Psychodynamik in Tierarzt-Tier-Tierhalter-Beziehungen zu verstehen, nutzt sie die in der Humanmedizin bereits länger angewandte Balint-Methode. Diese stellte sie 2020 in einem Artikel im Deutschen Tierärzteblatt vor (DTBl. 3/2021, S. 315–318).

Ebenfalls neues PWG-Mitglied ist Dr. Elli Kalemtzaki, Tierärztin und Coach; ihr Fokus liegt darauf, Tierärzt:innen zu helfen, ihre Führungsqualitäten zu entwickeln. Die Dritte im Bunde ist
Dr. Debbie Stoewen, Tierärztin und Sozialarbeiterin. Sie hat ein akkreditiertes tierärztliches Weiter-
bildungsprogramm namens „The Social Side of Practice“ entwickelt, das sich auf die Mensch-Tier-Beziehung, tierärztliches Wohlbefinden, Kommunikation, Teamarbeit, Organisationskultur und Führung
fokussiert.

Weitere Informationen zur PWG unter: https://wsava.org/committees/professional-wellness-group/

 

Isoflurannarkose-Kompetenzzentrum gegründet

Bei der Isoflurannarkose von Saugferkeln können Probleme im Bereich des Tierschutzes, der Anwendersicherheit und auch des Umweltschutzes auftreten. Im Bundesprogramm Nutztierhaltung wurde nun von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München sowie den Schweinegesundheitsdiensten der Landwirtschaftskammern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen für die Isoflurannarkose beim Saugferkel ein Kompetenzzentrum unter dem Namen IsoKomp gegründet. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert diese Initiative.

Landwirt:innen, bestandsbetreuende Hoftierärzt:innen, Überwachungsbehörden und Hersteller:innen können sich dort kostenfreie Unterstützung und Beratung holen. Die regionalen Ansprechpartner:innen erfassen die Probleme und untersuchen sie. So sind z. B. auch Isofluranmessungen an den Geräten und in der Umgebung möglich. Dadurch sollen die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen in die landwirtschaftliche Praxis gebracht und die Kastration der Ferkel unter Isoflurannarkose tierschutzgerecht, anwendersicher und rechtskonform umgesetzt werden.

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt November 2021

 

17. AMG-Novelle

Mit der 17. AMG-Novelle wurden für Tierärzte relevante Änderungen für das Antibiotikaminimierungskonzept sowie die Einführung der kontinuierlichen Datenübermittlung für die Erstellung
einer Risikobewertung beschlossen. Eine Zusammenfassung von Dr. Ilka Emmerich.

Hygieneempfehlungen

Die von der BTK-Arbeitsgruppe „Biosicherheit“ erarbeiteten „Mindestanforderungen zur Bio-
sicherheit für Tierärztinnen und Tierärzte beim Besuch von Schweine- und Geflügelhaltungen“ sowie die unter Mitwirkung des BTK-Ausschusses für Rinder erarbeiteten Mindestanforderungen „beim Besuch von Tierhaltungen mit Rindern und kleinen Wiederkäuern“ wurden von der Herbst-Delegiertenversammlung der BTK beschlossen und hier vorgestellt.

Bericht aus dem BMEL

Nachdem die letzten drei Berichte aus dem BMEL, aufgrund der Corona-bedingten Absage der Delegiertenversammlungen, nur in schriftlicher Form veröffentlicht werden konnte, war es Ministerialdirigent Dr. Dietrich Rassow in diesem Herbst wieder möglich, den Bericht vor seiner Ver-
öffentlichung im Grünen Heinrich in Präsenz vorzutragen.

Termine 2021

 
3. November Ausschuss für Tierseuchenrecht Hybrid: Berlin/
Videokonferenz 
3. November Präsidium

Telefonkonferenz

24. November

Ausschuss für Arznei- und Futtermittelrecht Berlin

8. Dezember

Erweitertes Präsidium Videokonferenz

21. Dezember

Ausschuss für Tierschutz Berlin



Termine 2022

24./25. März Erweitertes Präsidium

Berlin

25./26. März Delegiertenversammlung

Berlin

14. September Delegiertenversammlung

Berlin

15./16. September 29. Deutscher Tierärztetag

Berlin

Termine ATF-Fortbildungen/Gemeinschaftsveranstaltungen

Präsenzveranstaltungen

Online-Fortbildungen

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.