Aktueller Rundbrief: Ausgabe 6 – Juni 2022

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

 

Hunde können Long-Covid-Patient:innen erkennen

Ein Forschungsteam unter der Leitung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) veröffentlichte eine Pilotstudie über SARS-CoV-2-Spürhunde in der Fachzeitschrift Frontiers in Medicine. Die Studie zeigt, dass Hunde, die zuvor mit Proben von SARS-CoV-2-infizierten Personen trainiert wurden und diese mit hoher Genauigkeit anzeigen, auch Proben von Post-COVID-19-Patienten erkennen. Die Hunde riechen nicht die Viren selbst, sondern flüchtige organische Verbindungen, die bei einer Virusinfektion durch Stoffwechselvorgänge entstehen. Dies könnte auf eine persistierende Infektion oder andere langandauernde metabolische Veränderungen bei Post-COVID-19 Patienten hindeuten.

Bei einer wachsenden Zahl von COVID-19-Patient:innen treten Monate nach ihrer akuten SARS-CoV-2-Infektion Folgeschäden mit Langzeitsymptomen („Long-COVID“) auf. Frühere Forschungen haben bereits gezeigt, dass Hunde in der Lage sind, eine akute SARS-CoV-2-Infektion zu erkennen. Noch nicht bekannt war, ob Hunde auch Proben von Patienten mit Long-COVID anzeigen.

In der aktuellen Studie wurden Hunde eingesetzt, die zuvor darauf trainiert wurden Proben von akuten COVID-19-Patient:innen zu erkennen.

© Sebastian Meller

In zwei Testszenarien wurden die Hunde mit Proben von Post-COVID-19-Patient:innen konfrontiert. Wenn ihnen die Post-COVID-19 Proben im Vergleich zu Negativkontrollproben gesunder Personen präsentiert wurden, zeigten sie diese mit hoher Sensitivität an. Dagegen zeigten die Hunde Vergleichsproben von akuten COVID-19-Patient:innen eher als positiv an als Post-COVID-19 Proben. Im Testszenario I (akute SARS-CoV-2 Proben versus Post-COVID-19 Proben) erreichten Hunde für die akute SARS-CoV-2-Infektion eine mittlere Sensitivität von 86,7 Prozent (Zuverlässigkeit Erkrankte als positiv zu erkennen) und eine Spezifität (Zuverlässigkeit Gesunde als negativ zu erkennen) von 95,8 Prozent. Wurden die Hunde für Szenario IIa mit Post-COVID-19 und negativen Kontrollproben konfrontiert, erreichten die Hunde für Long-COVID Proben eine mittlere Sensitivität von 94,4 Prozent und eine Spezifität von 96,1 Prozent. Im Vergleich dazu: Hunde, mit denen akute SARS-CoV-2 Proben mit negativen Kontrollproben verglichen (Szenario IIb) wurden, zeigten eine mittlere Sensitivität von 86,9 Prozent und eine Spezifität von 88,1 Prozent.

Die Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass flüchtige organische Verbindungen (Volatile Organic Compounds, VOC) nach der Erstinfektion langfristig bei Post-COVID-19-Patient:innen vorhanden sind. VOC werden von SARS-CoV-2-infizierten Körperzellen im Verlauf dieser komplexen Krankheit freigesetzt.

· Pressemitteilung „Hunde können Long-Covid-Patienten erkennen“ TiHo (16.06.2022)

 

Umfrage: Korrelation von Impfstelle und Impfreaktionen

Im Rahmen einer Doktorarbeit, die im Bereich Tiermedizin an der Freien Universität (FU) Berlin in Kooperation mit der Universität Utrecht geschrieben wird, richtet sich die folgende Umfrage an in der tierärztlichen Praxis arbeitende Pferdetierärzt:innen.

Das Ziel dieser Umfrage ist es, herauszufinden, welche Injektionsstelle von den in der Praxis arbeitenden Tierärzt:innen für Impfungen an Pferden bevorzugt wird, ob es eine Korrelation zwischen der Impfstelle und den auftretenden Impfreaktionen gibt und wenn ja, ob sich auf Grundlage dieser Erkenntnisse eine Empfehlung für die Wahl der Injektionsstelle beim Impfen ableiten lässt.

Das Ausfüllen des Fragebogens (in engl. Sprache) nimmt ca. 5–8 Minuten in Anspruch.

Link zur Umfrage: https://survey.uu.nl/jfe/form/SV_eKcj1FV11Vqe1q6

Julia Lenarz

 

Studie: Chronische Schmerzen beim Hund

Forscher:innen der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) suchen Hunde als Studienteilnehmer. Denn die Zahl der betroffenen Hunde, die an chronischen Schmerzen, wie z. B. Gelenk- oder Rückenschmerzen, leiden, nimmt zu. Leider werden Schmerzen oft erst nicht richtig gedeutet und damit spät bemerkt. Das Team der Abteilung Anästhesie und Schmerztherapie in der Klinik für Kleintiere der TiHo möchte die Diagnosemöglichkeiten hierfür mit klar strukturierten Tests verbessern, um erkrankte Tiere frühzeitig zu erkennen und im Laufe einer Schmerztherapie Behandlungsfortschritte bewerten zu können. Dafür bedient sich das Team in der Humanmedizin, wo es seit Jahren eine Reihe klar definierter Tests gibt, um chronische Schmerzen erkennen, einteilen und bewerten zu können.

In der Studie vergleichen die Tierärztinnen und Wissenschaftlerinnen Dr. Alexandra Schütter und Lena Maria Bennmann zwei humanmedizinische Testverfahren und passen sie an, um sie für Tiere nutzbar zu machen. Die Tests basieren auf Messungen der Berührungsempfindlichkeit der Haut.

 © Lena Maria Bennmann

Die Forscherinnen führen die Tests in einem separaten Raum in der Klinik für Kleintiere der TiHo in einer ruhigen Umgebung und in Anwesenheit der Besitzer:innen durch. Für die Untersuchung müssen sie vier Hautstellen auf einer Größe von etwa drei mal drei Zentimetern scheren. Die Stellen befinden sich im Nacken, am Ellbogen, an der Rückenlinie und am Sprunggelenk. Anschließend beginnt die eigentliche Untersuchung, bei der die Forscherinnen mit sogenannten von-Frey-Filamenten manuell und elektronisch Druck auf die Haut ausüben, bis der Hund reagiert. Sie messen sowohl an den geschorenen Stellen als auch an den gleichen (ungeschorenen) Stellen der anderen Körperhälfte. Die andere Tierärztin wiederholt die Untersuchung, nachdem der Hund eine Pause hatte. Ein Studientermin dauert etwa 60 Minuten. Insgesamt besteht die Teilnahme an der Studie aus vier Terminen, verteilt über einen Zeitraum von 4 Monaten.

Kriterien, die die Hunde erfüllen müssen:

  • Alter: 1 bis 10 Jahre
  • allgemein gesund
  • keine bekannten orthopädischen Erkrankungen, wie Hüftgelenks- oder Ellenbogendysplasie, Spondylosen oder Arthrosen
  • keine Bandscheibenerkrankungen
  • aufgeschlossenes oder ruhiges Wesen
  • keine starke Geräuschangst, da die Geräusche der Schermaschinen sehr ängstliche Hunde beunruhigen können

Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme haben, melden Sie sich bei Lena Bennmann (lena.maria.bennmann@tiho-hannover.de).

· Beitrag TiHo-Webseite (16.05.2022)

 

Schön wäre, wenn Sie uns bereits kennen würden …

… aber auch wenn dies nicht der Fall ist, freuen wir uns über Ihren Beitrag.

Um uns zum Wohle der Tierarzneimittelsicherheit weiterhin stetig zu verbessern, benötigen wir Ihre Unterstützung. Durch Ihre Teilnahme an der folgenden kurzen Onlineumfrage helfen Sie uns, mehr darüber zu erfahren, wie wir das Melden von unerwünschten Ereignissen nach der Anwendung von Tierarzneimitteln erleichtern können. Die Teilnahme an der Umfrage ist bis zum 15.08.2022 möglich. Für die Beantwortung der Fragen benötigen Sie ca. 10 Minuten.

Link zur Umfrage: www.bvl.bund.de/ue-meldeverhalten

Haben Sie gerade keine Zeit? Oder konnten wir Sie nicht überzeugen, dass jede Stimme zählt?

Dann besuchen Sie uns doch auf der vetexpo des 11. Leipziger Tierärztekongresses (07.-09.07.2022) an unserem Messestand. Hier kommen wir gerne mit Ihnen ins Gespräch, beantworten Ihre Fragen und erklären Ihnen unser Anliegen. Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Bundesamt für Verbrauchschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)/Abteilung Tierarzneimittel

 

Thelaziose bei Hunden und Katzen

Die Thelaziose wird durch parasitische Rundwürmer verursacht, welche u. a. die Augenhöhlen sowie den Tränen-Nasen-Kanal verschiedener Säugetierarten (inkl. dem Menschen) besiedeln. Übertragen werden Thelazien von nicht stechenden Dipteren, bei Großtieren üblicherweise Fliegen. Thelazia callipaeda, auch bekannt als orientalischer Augenwurm, wird durch Fruchtfliegen der Gattung Phortica übertragen. Als Endwirte fungieren v. a. Wildkarnivoren und Hunde, aber auch Katzen und Menschen können befallen werden. V. a. Füchse sind als Reservoirwirte wichtig. Humane Fälle kommen vorrangig in hochendemischen Gebieten vor.

Details zur Übertragung, Diagnose und Behandlung erklärt Dr. Maria Unterköfler von der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) im ESCCAP-Expertenrat.

Fallberichte von T. callipaeda-Infektionen wurden in den letzten zwei Jahrzehnten aus vielen europäischen Ländern bei Hunden, aber auch Menschen publiziert; darunter auch mitteleuropäische Länder wie Deutschland, Österreich oder die Schweiz. In Spanien bspw. wurde der erste Fallbericht 2010 publiziert. Seitdem hat sich T. callipaeda verbreitet und einige Gebiete Spaniens gelten nun als endemisch. Expert:innen erwarten eine weitere Ausbreitung dieses Augenwurms in Europa.

 Augenwurm © Maria Unterköfler

Klinisch fällt eine Thelaziose bei Hunden und Katzen durch vermehrten Tränenfluss, okularen Juckreiz, Schwellungen und Entzündungen der Konjunktiva, Keratitis, follikuläre Hypertrophie und Photosensitivität auf. Insbesondere bei niedriger Wurmbürde verläuft die Infektion ggf. symptomlos.  

Die Therapie bei Hunden und Katzen durch mechanisches Entfernen der Würmer zusammen mit der oralen Anwendung von Milbemycin (allein oder in Kombination mit Praziquantel) führt laut Fallberichten nach 2 Wochen zu einer vollständigen Elimination der Erreger.

Die Thelaziose ist auch in Mitteleuropa eine beachtenswerte Differentialdiagnose bei entzündlichen Erkrankungen des Auges und seiner Umgebung. Auch aufgrund des Zoonosepotenzials ist es wichtig, sie im Sinne des One-Health-Ansatzes nicht zu vernachlässigen.

· ESCCAP-Pressemitteilung (20.06.2022)

 

Projekt: Pandemie verhindern

Ein neues, von der EU finanziertes Projekt "BEPREP" zielt darauf ab, künftige Pandemien durch die Identifizierung erfolgreicher Praktiken für die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und durch Interventionen des öffentlichen Gesundheitswesens, die auf die Minderung des Krankheitsrisikos abzielen, zu verhindern.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist im Projekt durch zwei seiner Fachinstitute vertreten: dem Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger (INNT) und dem Institut für internationale Tiergesundheit/One Health (IITG). Das INNT wird hier die umfangreiche Expertise von Prof. Rainer G. Ulrich beim Nachweis von Nagetier-assoziierten Krankheitserregern einbringen während PD Dr. Sascha Knauf das Projekt im Bereich von Krankheitsreservoirsystemen an der Schnittstelle von Wildtier, Nutztier und Mensch unterstützt.

Epidemien und Pandemien, die häufig durch zoonotische und vektorübertragene Erreger verursacht werden, bedrohen weltweit in alarmierendem Tempo unsere Gesundheit und unser Wohlergehen. Die Vermeidung künftiger Krankheitsausbrüche ist daher von entscheidender Bedeutung. Die Renaturierung wurde zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt - isoliert oder in Kombination mit Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit - als ein wichtiges Instrument zur Minderung von Krankheitsrisiken identifiziert.

Bisher gebe es nur wenige dokumentierte Erfolgsfaktoren für die Renaturierung, die solch eine Verringerung direkt belegen, sagt Prof. Frauke Ecke, Projekt-Koordinatorin von der Universität Helsinki.

Das BEPREP-Projekt soll diese Wissenslücke schließen und praktische Anleitungen liefern. In räumlich und zeitlich replizierten Feldstudien und Experimenten in Europa und den Tropen will das Projekt die kausalen Mechanismen der Infektionsdynamik und Möglichkeiten zur Unterbrechung von Infektionswegen aufdecken.

Naturbasierte Lösungen, einschließlich der Wiederansiedlung von Ökosystem“ingenieuren“, wie Bibern und kleinen Prädatoren, z. B. Eulen und Greifvögeln, sind ein Hauptmerkmal des Projekts, das als Richtschnur für künftige Maßnahmen zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt dienen wird, die gesunde Ökosysteme fördern und das Ausbrechen von Krankheiten verhindern sollen.

Das Projekt wird von der Universität Helsinki koordiniert, umfasst 14 Partner aus Finnland, Schweden, Frankreich, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Belgien, Deutschland, Italien, Kolumbien, Brasilien und Tansania und hat eine Laufzeit von 4,5 Jahren.

· Kurznachricht auf der FLI-Webseite (27.06.2022)

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Juli 2022

 

Tierschutz

Seit dem 01.07.2019 ist der Nationale Aktionsplan zum Kupierverzicht bei Schweinen durch Tierhalter:innen und Behörden umzusetzen. In einer Studie wurden nun erste Daten zum Einstieg in den Aktionsplan sowie zu den Angaben der Landwirt:innen in den Risikoanalysen und Maßnahmenplänen erhoben und ausgewertet, die hier von Dr. Anne-Claire Gehrig, Dr. Martina Bühlmeyer und Helena Wöhrle vorgestellt werden.

Praxis

Könnten Speisereste zukünftig im Tierfutter eingesetzt werden? Dieser Frage ging das EU-Projekt „Food for Feed“ nach, dessen Bilanz hier von Prof. Dr. Nadine Paßlack und Prof. Dr. Jürgen Zentek vorgestellt wird.

 

Termine 2022

30. Juni AG Zukunft

Videokonferenz

5. Juli BTK-Finanz- und Haushaltsausschuss

Berlin/Videokonferenz

12. Juli BTK-Präsidium

Berlin

14. Juli Erweitertes Präsidium

Videokonferenz

26. Juli AG Qualzucht

Videokonferenz

13. September Erweitertes Präsidium

Berlin

14. September Herbst-Delegiertenversammlung

Berlin

14. September ATF-Mitgliederversammlung/Beiratssitzung

Berlin

15./16. September 29. Deutscher Tierärztetag

Berlin

Termine 2023

 
23./24. März Erweitertes Präsidium

Berlin

24./25. März

Frühjahrs-Delegiertenversammlung Berlin

5./6. Oktober

Erweitertes Präsidium Berlin

6./7. Oktober

Herbst-Delegiertenversammlung Berlin



Termine ATF-Fortbildungen/Gemeinschaftsveranstaltungen

Präsenzveranstaltungen

Online-Fortbildungen

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.