Aktueller Rundbrief: Ausgabe 9 – September 2026

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

 

Tierschutzbund fordert bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen

Der Deutsche Tierschutzbund (DTschB) fordert gemeinsam mit seinen Landestierschutzverbänden und 775 Mitgliedsvereinen eine bundesweite Kastrationspflicht für Katzen mit unkontrolliertem Freilauf. In einem Brandbrief an die Bundesregierung, der in Berlin an die Bundestierschutzbeauftragte und Parlamentarische Staatssekretärin Silvia Breher übergeben wurde, sehen die Tierschutzorganisationen darin einen zentralen Schritt, um das Leid von Straßenkatzen in Deutschland wirksam zu verringern.

Ellen Kloth und Thomas Schröder, Vizepräsidentin und Präsident des Deutschen Tierschutzbunds, bei der Übergabe des Brandbriefs an Silvia Breher (v. l.), © Deutsche Tierschutzbund e. V.

Nach Angaben des DTschB stoßen viele Tierschutzvereine bei der Versorgung, Aufnahme und Kastration von Straßenkatzen personell, räumlich und finanziell zunehmend an ihre Grenzen. Aufnahmestopps, wachsende Populationen und eine steigende Zahl aufzunehmender Kitten gehörten vielerorts zum Alltag. Als wesentlicher Faktor für die unkontrollierte Vermehrung werden unkastrierte gehaltene Katzen mit Freigang genannt.

Regionale Katzenschutzverordnungen reichten aus Sicht des DTschB nicht aus, um die unkontrollierte Vermehrung und das damit verbundene Tierleid nachhaltig einzudämmen. Gefordert wird daher eine bundesweite Regelung im Tierschutzgesetz (TierSchG), v. a. durch eine Verankerung der Kastrationspflicht für Freigängerkatzen in § 13b TierSchG.

 

Umfrage zu Belastungen im öffentlichen Veterinärdienst

Eine tierärztliche Initiative (Messerli Research Institute Wien, Universität Bern, Freie Universität Berlin) untersucht derzeit die biopsychosozialen Belastungen im öffentlichen Veterinärdienst. Ziel der wissenschaftlichen Erhebung ist es, unterschiedliche Arbeitsbedingungen und Belastungssituationen systematisch zu erfassen. Im Fokus stehen u. a. berufliche Exponiertheit, moralischer Stress, Rollenkonflikte und institutionelle Rahmenbedingungen sowie mögliche Zusammenhänge mit beruflicher Souveränität und Wohlbefinden.

Die anonyme Befragung richtet sich an amtliche Tierärzt:innen, Amtstierärzt:innen, amtliche Fleisch- und Veterinärassistent:innen sowie selbstständig praktizierende Tierärzt:innen, die amtliche Aufgaben wahrnehmen. Die Teilnahme dauert etwa 20 bis 30 Minuten.

Mit der Studie sollen berufsbedingte Belastungen im öffentlichen Veterinärdienst sichtbarer gemacht und ein möglichst differenziertes Bild der aktuellen Situation gewonnen werden.

Kontakt für Rückfragen:

Dr. Edyta Ebrahimpour, bsiv-umfrage@freenet.de

 

West-Nil-Virus 2026 bislang nur moderat nachgewiesen

Das West-Nil-Virus (WNV) tritt in Deutschland in der Saison 2026 bislang vergleichsweise moderat auf. Bis zum 3. September bestätigte das Nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zwei Fälle bei Pferden und fünf Fälle bei Wild- und Zoovögeln. Drei Nachweise stammen aus dem Rhein-Neckar-Kreis, weitere aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. In den letztgenannten Regionen werden als bekannte Endemiegebiete regelmäßig WNV-Infektionen festgestellt.

© FLI

Auch beim Menschen wurden bislang zwei lokal erworbene West-Nil-Fieber-Infektionen bestätigt – jeweils ein Fall in Rheinland-Pfalz und Berlin.

Das FLI rechnet im weiteren Saisonverlauf mit zusätzlichen Erkrankungsfällen bei Vögeln und Pferden sowie mit einer weiteren regionalen Ausbreitung. Bei neurologischen Symptomen sollte eine WNV-Infektion daher weiterhin als wichtige Differenzialdiagnose bei Pferden und Vögeln berücksichtigt werden.

Bei der derzeit beobachteten Häufung neurologisch erkrankter Pferde kommt nach Einschätzung des FLI jedoch auch eine Infektion mit dem neu eingeschleppten europäischen Shamonda-Virus (SHAV) infrage. Aktuelle Untersuchungen deuten auf zwei unabhängige Eintragsereignisse nach Deutschland hin, die sich regional bereits überschneiden. Das FLI untersucht gemeinsam mit Landesuntersuchungsämtern, Veterinärbehörden, Privatlaboren und Pferdekliniken die Auswirkungen des Virus und die Krankheitsentstehung beim Pferd.

 

FLI-Umfrage zu sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Geflügelpest und ASP

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) führt im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts WiLiMan-ID eine Befragung zu den sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen von Geflügelpest und Afrikanischer Schweinepest durch. WiLiMan-ID untersucht, wie sich bedeutende Tierseuchen ausbreiten und dauerhaft etablieren können. Im Mittelpunkt steht dabei das Zusammenspiel von Krankheitserregern, Wild- und Nutztieren, Menschen und Umwelt.

© wiliman-id.eu

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen dazu beitragen, Tierseuchen künftig besser zu verhindern, frühzeitig zu erkennen und wirksamer zu bekämpfen. Mit der aktuellen Umfrage möchte das FLI neben den Auswirkungen auf die Tiergesundheit auch die Erfahrungen und Einschätzungen der von Tierseuchen betroffenen bzw. berührten gesellschaftlichen Gruppen stärker berücksichtigen.

Gesucht werden in Deutschland Geflügelhalter:innen, Schweinehalter:innen sowie Verbraucher:innen. Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig und anonym.

Die Umfrage ist noch bis zum 15. November 2026 geöffnet.

 

Vergiftungsgefahr durch Kadaver eingeschläferter Tiere

Pentobarbital, das in der Tiermedizin häufig zur Euthanasie eingesetzt wird, kann nach dem Tod eines Tieres über längere Zeit in dessen Gewebe verbleiben. Werden Kadaver, Gewebe oder Blut euthanasierter Tiere von anderen Tieren aufgenommen, besteht die Gefahr einer sekundären Pentobarbitalintoxikation. Das ergab eine vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) initiierte Studie, die Fälle aus nationalen und europäischen Pharmakovigilanzdatenbanken sowie toxikologische Fallberichte auswertete. Insgesamt wurden 178 betroffene Tiere erfasst, darunter 109 Haustiere und 69 Wildvögel.

Bei den Haustieren handelte es sich überwiegend um Hunde. Typische Symptome waren Ataxie, Bewusstseinsstörungen und Koma; bei den meisten Tieren traten sie innerhalb von 12 Stunden nach der Aufnahme auf. Neun Hunde verstarben oder mussten euthanasiert werden. Unter den Wildvögeln waren v. a. Gänsegeier, Rotmilane und Mäusebussarde betroffen; 57 der 69 erfassten Tiere starben. Als Expositionsquellen wurden u. a. nicht ordnungsgemäß entsorgte Kadaver euthanasierter Nutztiere und Pferde sowie ausgegrabene Kleintierkadaver identifiziert.

Das BVL weist auf die Bedeutung einer sicheren Beseitigung euthanasierter Tierkörper hin. Bei Fleisch- und Aasfressern mit plötzlich auftretenden neurologischen Symptomen sollte eine sekundäre Pentobarbitalvergiftung differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden.

Weitere praktische Hinweise enthält das BVL-Handout ­ „Risiken durch Euthanasiemittel:

https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/05_Tierarzneimittel/Infomaterial/Handout_Risiken_durch_Euthanasiemittel.html?nn=688838

Die Infografik zeigt, auf welchen Wegen Haustiere und Wildvögel Pentobarbital ausgesetzt sein können, © BVL

 

DFG-Auswertung: New Approach Methods gewinnen an Bedeutung

New Approach Methods (NAMs) werden in der lebenswissenschaftlichen Forschung zunehmend eingesetzt. Das zeigt eine Auswertung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu bewilligten Förderanträgen aus den Jahren 2017 bis 2025. NAMs umfassen verschiedene Methoden, die ohne Versuchstiere auskommen oder Tierversuche ergänzen, reduzieren oder ersetzen können, darunter Organoide, 3D-Gewebemodelle, Organ-on-Chip-Systeme und Bioprinting. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den lebenswissenschaftlichen Sonderforschungsbereichen: 2025 kamen in 20 von 23 Verbünden, entsprechend 87 Prozent, NAMs zum Einsatz.

© Initiative „Tierversuche verstehen“

2017 lag dieser Anteil noch bei 37 Prozent. Bei den von einzelnen Forschenden oder kleineren Teams beantragten Sachbeihilfen stieg die Zahl der bewilligten Anträge mit erfasstem NAM-Bezug im gleichen Zeitraum von 35 auf 95. Die Auswertung zeigt zugleich, dass NAMs und Tierversuche häufig parallel eingesetzt werden. In 19 der 23 lebenswissenschaftlichen Sonderforschungsbereiche wurden 2025 neben NAMs auch Mittel für Versuchstiere beantragt. Nach Angaben der Initiative „Tierversuche verstehen“ können die verschiedenen Methoden unterschiedliche Fragestellungen bearbeiten und sich innerhalb eines Forschungsprojekts ergänzen. Für die Analyse wurden bewilligte DFG-Anträge mithilfe eines Text-Mining-Verfahrens nach bestimmten NAM-Begriffen durchsucht. Erfasst wurden dabei nur ausgewählte Methoden; z. B. klassische In-vitro-Verfahren und computergestützte Modelle waren nicht Bestandteil der Analyse. Die Ergebnisse lassen daher keine Aussage darüber zu, wie viele Tierversuche durch NAMs tatsächlich ersetzt oder wie viele Versuchstiere eingespart wurden. Sie zeigen jedoch, dass entsprechende Methoden zunehmend Teil des wissenschaftlichen Methodenspektrums werden.

 

Elektronische Kassenpflicht ab 2028 beschlossen

Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf zur Einführung einer elektronischen Kassenpflicht beschlossen. Danach sollen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100.000 Euro vom 1. Januar 2028 an grundsätzlich elektronische Kassensysteme einsetzen. Ausgenommen sind u. a. Betriebe mit jährlichen Barumsätzen von weniger als 12.000 Euro; weitere Ausnahmen, z. B. für land- und forstwirtschaftliche Direktvermarkter sollen per Rechtsverordnung geregelt werden. Die bisherige Pflicht zur Ausgabe von Papierbelegen soll entfallen und durch eine elektronische Belegbereitstellung ersetzt werden.  Die Neuregelung kann damit grundsätzlich auch Tierarztpraxen betreffen, sofern sie die maßgeblichen Umsatzgrenzen überschreiten und Bargeschäfte abwickeln.

 

FVE-News                      

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Oktober 2026

 

Culture of Care

Eine breit angelegte Untersuchung an der Justus-Liebig-Universität hinterfragt derzeit die vorhandenen Strukturen der kulturellen Praxis im veterinärmedizinische Ausbildungs- und Berufskontext. Was hinter dem Begriff „Culture of Care“ und im Fokus einer aktuellen Befragung steckt, erläutern Dr. Katharina Ameli und Prof. Dr. Stephanie Krämer

Generation Z

Die Geburtenjahrgänge 1995 bis 2010 gehören zur sog. Generation Z und bilden auch in der Veterinärmedizin den aktuellen Nachwuchs. Wie die nächste Generation Tierärzt:innen tickt, und warum ganz anders, als wir denken, erläutert der Generationenforscher Dr. Rüdiger Maas.

Jubiläum

In diesem Jahr existiert die Organisation Tierärzte ohne Grenzen e. V. seit 35 Jahren. Zeit zurück zu blicken, daher lassen  Antonia Braus und Christian Griebenow diese bewegenden Dekaden der Projektarbeit Revue passieren.

2026

1./2. Oktober Erweitertes Präsidium Berlin
2./3. Oktober Herbst-Delegiertenversammlung Berlin
5. Oktober Ad-hoc-AG „Nachhaltigkeit“ Videokonferenz
6. Oktober Ausschuss für Wiederkäuer Berlin
6. Oktober Ad-hoc-AG „Tiermedizinische Assistenzberufe“ Videokonferenz
14. Oktober Präsidium Berlin
14. Oktober Ausschuss für Geflügel Videokonferenz
15. Oktober Ausschuss für Schweine Videokonferenz
22. Oktober Ausschuss für Versuchstierkunde und 3R Videokonferenz
2. November Juristischer Arbeitskreis Videokonferenz
3. November Ad-hoc-AG „Tiermedizinische Assistenzberufe“ Videokonferenz
10. November Ausschuss für Tierschutz Berlin
16. November Ausschuss für Berufs- und Standesrecht Videokonferenz
8. Dezember Ausschuss für Pferde Videokonferenz
8. Dezember Ausschuss für Wiederkäuer Videokonferenz

Termine ATF-Fortbildungen/Gemeinschaftsveranstaltungen

Präsenzveranstaltungen

Online-Fortbildungen

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links. 

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