Tierärzte gemeinsam gegen Qualzuchten

Neue ad-hoc-Arbeitsgruppe der BTK trifft sich in Berlin

BTK Berlin (29.07.2016) In Berlin konstituierte sich die neue BTK-Arbeitsgruppe „Qualzuchten“. Damit ist ein erster Schritt zur Umsetzung der Beschlüsse des 27. Deutschen Tierärztetages getan: Im dortigen Arbeitskreis 1 ging es um „Qualzuchten bei Klein- und Heimtieren“.
© C. Pfister
Am 28. Juli 2016 traf sich die neue Arbeitsgruppe „Qualzuchten“ der Bundestierärztekammer (BTK) zu ihrer ersten Sitzung in Berlin. Damit hat die Standesvertretung aller mehr als 39.000 Tierärzte in Deutschland den ersten Schritt zur Umsetzung der Beschlüsse der Hauptversammlung des 27. Deutschen Tierärztetages zum Thema „Zucht und Qualzucht von Klein- und Heimtieren“ getan. Im Arbeitskreis 1 hatten die teilnehmenden Veterinäre eine Reihe von Maßnahmen angeregt, um den zunehmenden Qual- oder Defektzuchten, vor allem bei populären Hunde- und Katzenrassen, den Kampf anzusagen.

Zusammengesetzt ist die Arbeitsgruppe „Qualzucht“ aus Vertreterinnen und Vertretern aller großen Veterinär-Organisationen: Dr. Christine Bothmann vom Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT), Dr. Petra Sindern vom Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt), Dr. Johanna Moritz von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT), Dr. Friedrich Röcken, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kleintiermedizin innerhalb der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) sowie für die Bundestierärztekammer Dr. Thomas Steidl, Mitglied im BTK-Ausschuss für Kleintiere.


In ihrer konstituierenden Sitzung erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkrete Ideen bezüglich Qualzuchten bei Klein- und Heimtieren. So wird der Fokus vor allem auf die Aufklärung über tierschutzrelevante Merkmale bestimmter Rassen gelegt, die aufgrund ihres angezüchteten „Kindchenschemas“ und ihrer medialen Präsenz momentan besonders beliebt sind. „Wir wollen dabei bestimmte Rassen nicht verteufeln oder verbieten. Wir wollen über die massiven gesundheitlichen Probleme aufklären, unter denen Hunderassen wie Möpse, Englische und Französische Bulldoggen, aber auch Perserkatzen oder Nacktkatzen, leiden können. So mögen runde Schädel mit extrem kurzen Nasen und großen Glubschaugen auf viele Menschen drollig wirken. Es handelt sich dabei aber um eine züchterische Deformation des Schädels, die mit Atemnot, Störungen in der Thermoregulation und Vorfall des Augapfels einhergehen kann“, erklärt Dr. Friedrich Röcken, der zum Leiter der AG gewählt wurde.

Zu den geplanten Maßnahmen der Arbeitsgruppe gehört neben der Aufklärung von Tierhaltern über Merkblätter auch die Erarbeitung von Checklisten zur Beurteilung von Qualzuchtausprägungen als Hilfestellung für amtliche Tierärzte. Außerdem will die Tierärzteschaft darauf hinwirken, dass bestimmte Hunderassen in der Werbung nicht mehr so präsent sind, denn durch die häufige Darstellung von Mops, Bulldogge oder Chihuahua wird die Nachfrage nach solchen Hunden oft erst geweckt.
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