Erarbeitet in einer gemeinsamen Sitzung der BTK-Ausschüsse für Tierschutz und für Geflügel am 2. September 2004 in Bonn
Grundsätzliches:
Viele Detailfragen z. B. über die Auswirkungen verschiedener Gruppengrößen, der Besatzdichte und der Einrichtung von „Kleinvolieren“ nehmen Einfluss auf die Tiergesundheit; solche können nur durch wissenschaftliche Studien bzw. durch praktische Erfahrungen abgeklärt werden, die derzeit nicht vorliegen. Für die nachfolgenden Aussagen sind alle verfügbaren Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Literatur ausgewertet worden.
Platzbedarf:
Die Höhe der Haltungseinrichtung ist so zu wählen, dass die Tiere ungehindert stehen, sich bewegen und aufbaumen können.
Sitzstangen müssen ungehindert unter- oder überquert werden können.
Die Tiere müssen auf der Sitzstange ungehindert Platz nehmen und ruhen können.
Eine möglichst geringe Besatzdichte und eine klare Trennung der Strukturbereiche führen nach bisherigen Erkenntnissen zur Verbesserung der Tiergesundheit und der Produktqualität.
Sitzstangen:
Sitzstangen müssen aus hygienisch unbedenklichem Material bestehen und ein sicheres Fußen ermöglichen.
Die Beschaffenheit der Sitzstangen muss den neuesten Erkenntnissen zur Vermeidung von Fußballenschäden und Brustblasen entsprechen.
Bei der Anordnung der Sitzstangen ist darauf zu achten, dass der von Hennen auf den Sitzstangen abgesetzte Kot weder das Gefieder anderer Hennen noch Sandbad oder Nest beschmutzt.
Gruppengröße:
Die Wahl der Gruppengröße hängt von der Art und Ausgestaltung der Haltungseinrichtung ab.
Es muss gewährleistet sein, dass auf das Kürzen der Schnabelspitze verzichtet werden kann.
Eine stabile Rangordnung muss gewährleistet werden.
Federpicken/ Kannibalismus muss vermieden werden.
Wissenschaftliche Untersuchungen im ausgestalteten Käfig weisen darauf hin (stabilere Rangordnung, besseres Gefieder usw.) dass eine kleine Gruppengröße zu bevorzugen ist.
Durch die Festlegung einer relativ großen Gruppengröße stünde pro Einheit zwar eine größere Grundfläche zur Verfügung, allerdings muss hier wieder mit erhöhten Problemen wie Federpicken / Kannibalismus gerechnet werden.
Bei einem Praxisversuch mit einer größeren Gruppe von 60 Tieren in einer Kleinvoliere traten diese Probleme bisher aber nicht auf.
Beleuchtung:
Hennen haben besondere Bedürfnisse im Hinblick auf die Beleuchtung. Die Art der Beleuchtung hat Auswirkungen auf die Tiergesundheit.
Ungleichmäßiger Sonnenlichteinfall auf kleine Flächen oder Lichtquellen, die nicht flickerfusionsfrei sind, können das Auftreten von Kannibalismus begünstigen. Eine konstante Beleuchtung ist daher anzustreben.
Eine gleichmäßige Ausleuchtung des Einstreu- und Versorgungsbereichs in Übereinstimmung mit § 13 (3) Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung muss sichergestellt sein. Insbesondere muss eine gute Ausleuchtung des Sandbades gewährleistet sein.
Die neuesten Forschungsergebnisse zur Flickerfusionsfreqeuenz und zum UV-Spektrum müssen in der Zukunft berücksichtigt werden.
Nest:
Nach den Ergebnissen des Modellvorhabens „Ausgestaltete Käfige“ soll die Nestgröße für mindestens 20 % der Tiere ausreichend sein. Einflüsse auf die Nestnutzung sind deren Größe, Anordnung und Ausgestaltung.
Der Nestbereich muss so von anderen Aktivitätszonen getrennt sein, dass keine Störung der legenden durch andere Hennen stattfindet.
Das Nistmaterial muss hygienisch einwandfrei, möglichst staubfrei und attraktiv für das Tier sein. Diese Kriterien haben Einfluss auf die Tiergesundheit und die Qualität der Eier.
Einstreubereich / Sandbad:
Der Einstreubereich soll eine artgerechte Gefiederpflege der Tiere ermöglichen.
Entsprechend den Ergebnissen des Modellvorhabens „Ausgestaltete Käfige“ sollen die Hennen ständigen Zugang zu einem mit Substrat versehenen Sandbad, das nicht in der Bewegungsachse liegt, haben. Darüber hinaus wird eine Fläche, die mind. 10 % der Hennen zeitgleiches Sandbaden ermöglicht, gefordert.
Bei zu kleinen und niedrigen Einstreubereichen (z. B. wenn sie über dem Legenest angeordnet werden) kann die eigentliche Funktion des Sandbadens, das Benetzen des Gefieders zur Gefiederreinigung, evtl. nicht erreicht werden.
Der Einstreubereich muss hygienisch sein, die Staubentwicklung soll möglichst gering sein.
Der Einstreubereich muss relativ hell beleuchtet sein.
Futtersubstrat als Einstreu hat sich als geeignet im Hinblick auf Praktikabilität und Attraktivität für die Hennen erwiesen.